Neue Führungs-Kompetenzen für digitale und agile Transformationsprozesse

Immer wieder fragen Führungskräfte und Verantwortliche für Weiterbildung und Personalentwicklung von Unternehmen, wie eine „neue“ Führungskräfteausbildung aussehen könnte. Der Wunsch nach etwas wirklich Neuem wird spürbar.

Bevor wir aber die Inhalte einer neuen Ausbildung überhaupt besprechen können, sollten wir fragen: Was müssen Führungskräfte in Zukunft können und daher heute lernen? Darauf eine erste schnelle Antwort:

KOMPLEXITÄT ZÄHMEN, MENSCHEN ALS MENSCHEN VERSTEHEN, GANZHEITLICHKEIT TIEF INHALIEREN, DIE NEUE VERBUNDENHEIT ALS EINZIGARTIGE CHANCE FÜR MEHR AGILITÄT BEGREIFEN.

Diese Antwort ist nicht vollständig, aber sie beinhaltet eine wichtige Botschaft. Die Abarbeitung der klassischen Führungsaufgaben des Managements wird in Zukunft für unseren Erfolg nicht mehr ausreichen. In der heutigen Zeit stehen wir vor spannenden digitalen und agilen Transformationen und auch vor jeder Menge Ungewissheit. Manager und Managerinnen müssen ihr bequemes Büro verlassen und nach neuen Wegen suchen, müssen die Witterung aufnehmen, sich z.B. einer HR Safari durch die Berliner Startup-Welt anschließen, um neues zu erkunden. Zudem müssen sie die Widersprüche zwischen Verändern und Bewahren, zwischen Sorge und Pioniergeist, zwischen Steigerung und Ankunft und noch viel mehr ausbalancieren und sie müssen lernen, mit Unsicherheit umzugehen.

Hier nun einige zukünftige Herausforderungen für Führungskräfte. Dabei haben mich die Arbeiten von Prof. Dr. Peter Kruse, (der bedauernswerter Weise von nicht allzu langer Zeit für heutige Verhältnisse leider jung verstorben ist!), inspiriert und angeleitet.

STEIGENDE KOMPLEXITÄT VERÄNDERT DIE ANFORDERUNGEN

Was muss die Führungskraft dazulernen? Das Erkennen von Zusammenhängen, die Mustererkennung zur Reduktion von Komplexität, den Umgang mit verringerter Planbarkeit und mit verschwimmenden Ursache-Wirkung-Beziehungen. Zudem die effiziente Nutzung der kollektiven Intelligenz ("Intelligenz der vielen"); sie gilt heute als Notwendigkeit für gutes Management und gute Führung. Wichtiger werden auch Reflexion und Zugang zur Intuition als Kompetenzen für Entscheidungen in komplexen Umwelten.

VERLAGERUNG DER MACHT VERÄNDERT DAS GRÖSSERE SPIEL

Was ändert sich dabei? In vernetzten Systemen entscheidet der Nachfrager, Märkte sind Dialoge geworden, emotionale Resonanz ist ein neuer Erfolgsfaktor. Es gilt der bekannte Satz: „Willkommen in der Mitmachgesellschaft.“ Jede Führungskraft ist als Teilnehmer oder Teilnehmerin im Netzwerk und als Impulsgeber oder -geberin eingeladen, am neuen Spiel teilzunehmen. Autonomie und Eigendynamik werden wichtiger als Hierarchie. Mit der zunehmenden Kooperation wird Vertrauen ein neuer Erfolgsfaktor.

HÖHERE INSTABILITÄT ERFORDERT MEHR VERÄNDERUNGSBEREITSCHAFT

Was kommt auf Führungskräfte zu? Das Arbeitsverhältnis muss zunehmend als Passage im Lernweg des Lebens verstanden werden. Die Führungskraft wird mehr zum Begleiter oder zur Begleiterin und zum (agilen) Coach, der Begriff "Servant-Leader" und "Hosting-Leader" macht die Runde. Wenn aber in Netzwerken mit einem abnehmenden Zugehörigkeitsgefühl zur Organisation zu rechnen ist, wie muss ich dann agieren, um eine positives Commitment, ein Gefühl und eine Praxis des wirklich gemeinsamen Arbeitens zu etablieren. Und weil instabile Phasen im Wirtschaftsleben intensiver, länger und häufiger werden, wird dann auch „Leading Change“ eine der zentralen Herausforderung in der Führungsarbeit.

MENSCHEN MIT NEUEN BEDÜRFNISSEN WOLLEN ANDERS GEFÜHRT WERDEN

Was heißt das für die konkrete Führungsarbeit? Empowerment, also "Befähigung", ist das neue Zauberwort. Die Attraktivität der Arbeit wird für Menschen wichtiger als Loyalität. Ein Leader soll inspirierend, richtungsweisend und ausrichtend im Team wirken, eine Vision entwickeln und kommunizieren können, Sinn geben, Verantwortung weitergeben, selbst Vorbild sein, das eigene Ego zurücknehmen. Self-Leadership – gesunde Selbstführung – und überschaubare sehr gut funktionierende agile Teams werden die zentralen Herausforderungen, um Erfolg langfristig zu sichern. Soziale Fähigkeiten wie Empathie, der Aufbau gelingender Beziehungen und die (erfolgreiche) Suche nach dem Sinn werden also darüber bestimmen, ob ein Mensch als Führungskraft angenommen wird, ob ein Unternehmen die volle Motivation der Mitarbeitenden nutzen kann und darf.

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