Agilität

Der Masterplan für etwas mehr Agilität

Autor: Valentin Nowotny

Nicht jedes Unternehmen hat die Ressourcen sich komplett umzukrempeln und auf agil zu machen. Doch ein wenig mehr Agilität geht immer, oder? Innerhalb der Abteilung und manchmal sogar noch etwas weitreichender. Nicht staunen, Bedenken hin und her tragen und "herumtheoretisieren", sondern einfach mal machen und erste Erfahrungen sammeln, das ist es, was Sie nach vorne bringt!

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Doch wo anfangen? Viele die sich zum ersten Mal mit Agilität auseinandersetzen, denken dabei vor allem an Scrum. Das liegt daran, dass Scrum international eine sehr hohe Verbreitung hat. Allerdings ist Scrum nichts was man eben mal so implementiert. Hier braut hat es erst ein Fundament, gemeinsame Werte, ein geteiltes Verständnis für das Framework, oft auch Beratung und Impulse von außen von einem Agilen Coach, etc. Soweit weit, so gut. Was können Sie jedoch selbst ohne allzu großem Initial-Aufwand aus dem Ärmel schütteln?

1. Das Daily Standup Meeting – Die tägliche Synchronisations-Übung für das Team!

Wenn Scrum der Porsche 911 oder der Audi TT unter den agilen Ansätzen ist, dessen Kraft man erst einmal zu beherrschen lernen muss, so gibt es jedoch auch eine Agilität im Kleinen, die auszuprobieren sich lohnt. Warum zum Beispiel kein Daily Standup im Team durchführen? Hier stellen sich alle in einen Kreis, es dauert maximal eine viertel Stunde lang, und jeder berichtet von den eignen Arbeitsfortschritten.

Die drei Fragen sind: Was habe ich gemacht in den letzten 24 Stunden? Was werde ich tun in den nächsten 24 Stunden? An welchen Punkten hänge ich gerade fest? Das ist das Daily. Ein scheinbar kleiner Schritt, allerdings mit einer riesengroßen Wirkung: Alles wissen was gerade läuft, sind fokussiert auf ihre Ziele, unterstützen einander. Ein Daily ist wie Zähneputzen oder rasieren: es funktioniert ohne viel Nachzudenken, macht für jeden Sinn und entfaltet seine Kraft über die tägliche Routine!

2. Das Kanban-Board – Den Arbeitsfortschritt gemeinsam visualisieren!

Der zweite Tipp: Den Arbeitsfortschritt gemeinsam visualisieren. Im Fachvokabular nennt man das Arbeiten mit einem Kanban-Board. Kanban kommt aus dem japanischen und heißt auf Deutsch „Signalkarte“. Der Stand der Arbeit wird über das Kanban-Board sichtbar gemacht.

Jedes Kanban-Board folgt einem einfach zu verstehenden Prinzip: links befinden sich die Kärtchen mit den unfertigen Arbeiten, rechts die bereits erledigten Dinge. So erkennt das Team an welchen Stellen Handlungsbedarf ist und organisiert die Arbeit selbstständig nach dem Pull-Prinzip.

3. Die Retrospektive – Ein regelmäßiger Blick zurück und gleichzeitig nach vorn!

Ein systematischer Rückblick hilft uns die Schwachstellen im Vorgehen und auch die Besonderheiten in der Teamkommunikation zu erkennen. Klar, im Prinzip ist das so, wird jedoch selten gemacht. Was hier Abhilfe schafft, sind die sogenannten Retrospektiven. Diese werden per Definition regelmäßig veranstalten, z.B. ein, zwei, drei oder vier Wochen.


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Buchtipp 

Nowotny, Valentin (2017): Agile Unternehmen: Fokussiert, schnell, flexibel. Nur was sich bewegt, kann sich verbessern.
3. Auflage im März 2017.
 

Eckdaten
Verlag: BusinessVillage, Göttingen..
Umfang: 396 Seiten
ISBN: 978-3869803302 (Print)
ISBN: 9783869803319 (eBook)

Leseporobe

https://www.slideshare.net/BusinessVillage/agile-unternehmen


Für uns ist hier die Regelmäßigkeit entscheidend, damit ein solcher Arbeitsrückblick im Sinne einer Psycho-Hygiene auch wirksam sein kann. Für Retrospektiven gibt es vielen inspirierende Vorgehensweisen. Am allerwichtigsten ist es jedoch, dass sie regelmäßig stattfinden und dass dann mindestens eine Sache anders gemacht wird als vorher.

4. Duzen statt Siezen – Gemeinsam eine echte Vertrauenskultur etablieren!

Und ein letzter Tipp: Duzen statt Siezen. Warum? Gute Teams stehen sich nahe helfen einander und respektieren sich. Das geht mit dem vertrauensvollen „Du“ deutlich besser als mit dem unverbindlichen und distanzierten „Sie“.

Und wenn das in ihrem Team stimmungsmäßig nicht geht, dann sollten Sie genau darüber sprechen. Was genau fehlt uns eigentlich noch für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, die dann auch das „Du“ tatsächlich einschließen würde?

Was geht in Sachen Agilität – Darf’s ein bisschen mehr sein?

„Was geht also bei uns in Sachen Agilität“ fragen Sie sich jetzt vielleicht. „Darf’s nicht doch ein bisschen mehr sein?“ fragt die freundliche Dame von der Wursttheke. Lassen Sie uns mal ganz klein anfangen, und die Brötchen backen, die sich so ganz schnell unters Volk bringen lassen! Gerade dann, wenn die Welt bei Ihnen doch nicht so ideal erscheint für’s agile Arbeiten.

Das Daily ist nicht praktikabel, weil das ganze Team komplett verstreut ist? Gut, wie wäre es mit einer WhatsApp-Gruppe für ein Team, das sich nicht jeden Tag sehen kann? Allerdings mit der Auflage, dass jeder täglich ein, zwei „Wasserstands-Meldungen“ abzusetzen hat, was er oder sie gerade wo macht. Das Ziel auch hier: jeder soll Bescheid wissen, mitdenken können und das Gefühl haben, Teil eines Teams zu sein, dass ihn oder sie unterstützt.

Just ‚Du’ it – Alte Gewohnheiten durch neue Gepflogenheiten ersetzen!

Bei Ihnen herrscht die klassische deutsche Siez-Kultur. Ob ein „Du “ in den Teams legitim wäre, ist zumindest unklar. Nun, bei dem Industrie-Giganten Robert Bosch war das auch ein „Problem“. Jetzt macht in jüngster Zeit der Slogan „Just ‚Du‘ it!“ die Runde, und zwar in Form eines grünen Textilbändchens mit obiger Aufschrift, dass man sich z.B. bei Meetings oder Konferenzen locker um den Hals hängt wenn man gerne so angesprochen werden möchte. Jeder darf dann also einfach mal ungestraft duzen, wenn er das grüne Bänzel am Hals des Kollegen erspäht.

Hand aufs Herz, was hält Sie davon ab, einen – oder besser alle – unserer hier aufgeführten Tipps für mehr Agilität in Ihren Masterplan zu übernehmen? Und dies gleich morgen – oder besser schon heute – auch gleich umzusetzen? Genau, die bisherigen Usancen und Gewohnheit könnte Sie daran hintern, das stimmt! Und deswegen gilt es ganz simpel, alt und weniger zielführenden Gewohnheiten in kleinen und leicht verdaubaren Häppchen durch neue agilere Gepflogenheit zu ersetzen, auf dass hieraus bald neue und stärker zielführende Gewohnheiten erwachsen.

Agile Führung: Leadership 4.0

Die besten Führungs-Tools für das 21. Jahrhundert
von Valentin Nowotny

Agile und transformationale Führungskonzepte unterstützen die Selbstorganisation von Teams: Wie kann Vertrauen aufgebaut werden? Wo kann Führung kollegial geteilt werden? Wie lässt sich eine moderne, netzwerkartig angelegte Unternehmenskultur schaffen, die schnell auf sich ändernde Rahmenbedingungen reagieren kann? In diesem Buch erfahren Sie, welche Konzepte am besten geeignet sind, die dies erfolgreich umzusetzen.

Inhalt:

Kapitel 1: Führung 4.0: Was hat sich im 21. Jahrhundert verändert?
Kapitel 2: Wie lässt sich agile Führung ausgestalten? 
Kapitel 3: Das passende Mindset für's agile Führen
Kapitel 4: Arbeit visualisieren und Eigenverantwortung stärken
Kapitel 5: Flow-Konzept und neue Meeting-Formate

 

Käuflich:

Als Taschenbuch bei Amazon.de: 6,99 EUR (gedrucktes Buch) 
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Als eBook bei Leanpub.com: 4,99 USD (verschiedene eBook-Formate)
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Als Kindle Edition bei Amazon.de: 4,99 EUR (Kindle-Format)
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Agile Evolution: Eine Anleitung zur agilen Transformation

Bald ist es soweit und unser neues Buch "Agile Evolution: innovativ, dynamisch, kommunikativ. Eine Anleitung zur agilen Transformation" erscheint im Frühjahr 2018 im BusinessVillage Verlag in Göttingen. Die Autoren sind Marko Lasnia und Valentin Nowotny.

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Agilität steht auf der Floskelliste eines jeden Unternehmens. Doch es lohnt sich diese Worthülse mit Leben zu füllen. Denn agile Unternehmen verdienen mehr, haben höhere Margen und sind attraktivere Arbeitgeber. Aber wie haucht man Unternehmen Agilität ein? Wie bewegt man eine ganze Organisation zum Umdenken? Wie lassen sich verkrustete Strukturen, starre Prozesse und Abteilungsdenken überwinden? Wie schaffen es Unternehmen, mit Blockbuster-Angeboten und neuen Dienstleistungen ganz vorne zu sein?

Antworten darauf liefert das neue Buch von Valentin Nowotny und Marko Lasnia. Es zeigt alle wichtigen agilen Methoden, Frameworks und Praktiken wie Design Thinking, Canvas, Scrum, Backlog, Roadmaps, Kanban Boards, Sprints, Reviews und Retrospektiven – allerdings aus der Non-IT-Perspektive. Denn erst so werden diese erprobten Methoden für jedes Unternehmen anwendbar.

Dieses Buch liefert ein lebendiges und einzigartiges Anschauungsbeispiel, wie in einem agilen Evolutionsprozess innovative Dienstleistungen und Produkte entstehen.

Das Buch "Agile Evolution" von Marko Lasnia und Valentin Nowotny können Sie schon jetzt  vorbestellen: a) bei BusinessVillage oder b) bei Amazon.de.

Webinar: Agile in 100 Minuten am 14. Juli 2017

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In diesem Webinar erfahren Sie aus erster Hand alles, was Sie wissen müssen, um die agile Methodenwelt einzuordnen: Was ist wirklich wichtig? Welche Methodenwelten bzw. Agile Frameworks gibt es? Was ist eine agile Organisation und welche Wege gibt es hierhin? Agile in 100 Minuten ist eine kompakte Einführung, die alles Wichtige auf den Punkt bringt. Ihre Fragen und Ihr Input ist willkommen und wir nutzen das Online-Format so, dass alle Teilnehmer/innen in der zur Verfügung stehenden Zeit, zum einen sehr guten Überblick und Input bekommen, zum anderen auch Ihre Fragen und eigenen Überlegungen anbringen können. 100 Prozent spannendes Wissen, 100 Prozent Diskussion auf Augenhöhe, 100 wertvolle Minuten für alle, die teilnehmen. 

Inhaltsübersicht:

I. Agiles Mindset, Agile Werte, Agile Prinzipien!
2. Die agile Organisation: was macht sie aus?
3. Agile Methodenwelten: einmal von A bis Z!
4. Der Weg ins Agile Arbeiten: wo anfangen

Minimale Teilnehmerzahl: 10
Maximale Teilnehmerzahl: 20

PS: Das Webinar setzt keine Vorkenntnisse voraus und ist für Leser und (Noch-) Nicht-Leser von "Agile Unternehmen" gleichermaßen geeignet.

Workshop "Agiles Arbeiten" jetzt mit attraktivem Frühjahrs-Discount + neuer Termin 4./5. Juli 2017

Hätten Sie nicht Lust, sich mit einer Gruppe ebenfalls Interessierter und einem kompetenten Moderatoren-Team intensiv mit den agilen Methodenwelten auseinanderzusetzen? 

Wir machen es in zwei Tagen möglich: die VUCA-Welt, Agile Werte & Prinzipien, das Scrum-Framework, Arbeits-Visualisierung und Selbstorganisation mit Kanban, die emphatisch-kreative Welt des Design Thinking u.v.a.m. haben wir für Sie hineingepackt. 

Der nächste Workshop findet statt am 28.+ 29. März in der schönen Seminar-Location "juggleHUB", nur 5 Tram Stationen vom Berliner Alexanderplatz entfernt. Lassen Sie sich diese Möglichkeit nicht entgehen, "Agile" ist kein Schnupfen, sondern verändert die Art wie wir alle in Organisationen zusammen arbeiten werden! 

Anbei für Sie noch eine aktuelle Information zum Workshop: Erleben Sie jetzt "best practice" - "Agile" als Basiskompetenz für erfolgreiche Projekte und Teams. Jetzt ist unser Workshop Agiles Arbeiten BIG FIVE nämlich mit einem attraktivem Gruppen-Discount von rund 25 % buchbar (Werbecode "MRZ017"): https://www.eventbrite.de/e/workshop-tickets-31505653257

Und das sagen unsere Teilnehmer/innen: 

  • "Guter Mix aus Praxis und Theorie" 
  • "Agilität mit Humor und Lockerheit das Thema dargestellt, Agilität gezeigt und gelebt" 
  • "Alle Methoden gut und einleuchtend erklärt" 
  • "Gutes Trainerteam" 

Wir freuen uns, wenn Sie mit an Bord kommen, ahoi "Agile" :-)) 

Für Fragen erreichen Sie uns unter +49 (0)30 49 08 45 00. 

Alexander Schaaf & Valentin Nowotny

PS: Wenn Sie möchten, dann können Sie für Ihr Anmeldung natürlich auch gerne alternativ unser "klassisches" PDF-Buchungsformular nutzen.

Ab sofort gibt es einen neuen zusätzlichen Termin für "Agiles Arbeiten BIG FIVE". Wir haben hierfür den 4./5. Juli 2017 in Berlin ins Auge gefaßt. Wenn Sie schnell sind, können Sie sich hier eines unserer attraktiven Frühbucher-Tickets sichern... :-))

Magische Glücksmomente: Nur was sich bewegt, kann sich verbessern

Autor: Valentin Nowotny

Der Satz "Nur was sich bewegt, kann sich verbessern" kommt scheinbar harmlos daher. Es ist der Untertitel meines neuen Buches "Agile Unternehmen: fokussiert, schnell, flexibel". Viele lesen diesen Satz als: "Nur was sich bewegt, kann sich verändern". Das ist bekannt und geläufig und es scheint einleuchtend, ist es jedoch nicht. Es ist sogar falsch! Ein Apfel, der von innen heraus verfault bewegt sich nicht, dennoch verändert er sich!

Ich sage also: „Nur was sich bewegt, kann sich verbessern“. Ist das nun richtig oder vielleicht ebenso falsch? Schauen wir doch einmal etwas genauer hin: Ein Weitspringer springt jedes Mal ein bisschen weiter, weil er sich immer wieder neu bewegt, also übt und Neues ausprobiert. Ein Vogel fliegt jedes Mal ein bisschen höher, weil er seinen Flug perfektioniert. Eine Schwimmerin schwimmt jedes Mal ein bisschen schneller, da sie an ihrer Performance arbeitet. Ein Iron-Man ist vor jedem weiteren Lauf vermutlich ein bisschen fitter, ein bisschen besser trainiert als das letzte Mal. Muss er auch, sonst würde vermutlich nicht antreten, die Konkurrenz schläft nicht!

Und schauen wir auf die Erde, diese dreht sich täglich. Nur so können der Rhythmus von Tag und Nacht, die Gezeiten, das Wetter und andere Mechanismen wie der Schlaf- und Wachzustand von Menschen und Tieren überhaupt in Gang gehalten werden. Und würde die Erde aufhören sich zu drehen, dann würde sie vermutlich runterfallen. Oder etwa nicht? ;-) Humor ist auch so etwas: immer wieder neu und irgendwie überraschend muss es schon sein, sonst entlockt es uns nur ein müdes (unbewegliches) Lächeln! Die Musik im Radio, immer wieder neu gemixt, bewegliche Kombinationen aus einem riesigen Set an Möglichkeiten!

Und schauen wir in die Wissenschaften. In der Physik werden immer wieder neu Elektronen bewegt, zum Beispiel am Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY) tief unter der Erde in Hamburg, um das, was die Materie zusammenhält, zu verstehen. Die Jahreszeiten, seit immer schon verbunden mit Bewegung und Veränderung, das auf und ab der Wellen. Der Wald, die Flora und Fauna sind ebenfalls ständig in Bewegung. Das Öko-System reagiert auch auf menschliche Eingriffe oft erstaunlich schnell! Schon nach wenigen Jahrzehnten sind sogar verfallene Bauwerke nicht mehr zu erkennen.

„Leben“, so ist bei Wikipedia zu lesen „ist der Zustand, den Lebewesen gemeinsam haben und der sie von toter Materie unterscheidet“. Damit beschreibt die Biologie das Leben qua Definition als etwas Bewegtes! Auch der Prozess der Evolution führt durch eine immer wieder neue Zusammenstellung der DNA zu neuen Kombinationen, manchmal durch Einwirkung von außen oder durch Zufall auch zu Mutationen, und damit in jedem Fall zu Veränderungen, manchmal auch zu Verbesserungen.

Würde sich hier nichts ändern, blieben Pflanzen, Tiere und auch Menschen immer gleich, so lange, bis sie nicht mehr mit einer sich verändernden Umwelt umgehen können und dann aussterben. Unbeweglichkeit führt also zu einer deutlichen Verschlechterung der Situation. „Stillstand ist Rückstand“, heißt es ja auch nicht zu unrecht.

Und schauen wir auf den Grund, auf die Tektonik unsere Seele. Die Tiefenpsychologie legt nahe, dass die Krise, die wir durchlaufen müssen, vielleicht auch deswegen da ist, damit wir lernen. In der Welt der persönlichen Beziehungen ist es ähnlich: Ist es bei Ihnen nicht so, dass Freunde kommen und Freunde gehen, nur manche jedoch bleiben bestehen, aber auch diese verändern sich durch Bewegung, vielleicht von einem Ort zum nächsten, von einem Partner zum nächsten. Verbessern Sie sich dadurch? Wir hoffen es für Sie! Every Movement is a Challenge!

„A movement must be public, because followers emulate followers not the leader“, sagt Derek Sievers in seinem berühmten auf YouTube knapp vier Millionen Mal abgerufenem Video „First Follower: Leadership Lessons from Dancing Guy“ (vgl. Sievers 2010). 

Auch die Städte sind in Bewegung, neu angesagt und richtig hip ist in New York das ehemals gefährliche „Harlem“, ähnlich „Neukölln“ in Berlin: das früher als wenig attraktiv geltende Neukölln ist plötzlich richtig en vogue, die anderen Stadtteile müssen sich umsehen, sich bewegen, sich verbessern! Ich habe noch das Lied von den Dire Straits im Ohr, dass von der Entwicklung einer ganzen Region erzählt: „Telegraph Road“. Die Siedler kommen, auch die Industrie, die Autobahnen und mit ihr der Stau. Wenn sich zu viele bewegen wird’s eng! 

Auch die Mode, ihre Farben und Formen kommen, inzwischen mehrmals im Jahr. Top Handys, wie die von Nokia, werden einfach abgelöst. Apple hat die Tastatur beim iPhone einfach weggelassen und die Finnen haben zur Kenntnis genommen, dass Handys auch ohne Tastatur funktionieren. Unbewegt, ohne eine Alternative, kraftlos, ohne eine neue eigene wirksame Bewegung.

 „Nur was sich bewegt, kann sich verbessern“. Sind es nicht immer Bewegungen und Wellen, die uns wachhalten? Neuerdings Gravitationswellen. Auch jede sprichwörtliche „Sau, die durchs Dorf getrieben wird“, verspricht zumindest neue Bewegung. Und Menschen, die mit ihrem Personal Trainer an ihrer Gesundheit arbeiten, lassen ebenfalls nichts unversucht: Das Fitnessband, die Laufstrecke, der Trainingsplan, alles wird an die aktuelle Trainingssituation angepasst!
 

Konkret gemacht…

Und was bedeutet das ganz konkret für Organisationen, für Unternehmen in diesem Land? Klar, die müssen ebenfalls in Bewegung bleiben: Manche tun das gezwungenermaßen wie VW. Nach dem Skandal wurde erstmals öffentlich über autoritäre Managementstrukturen gesprochen. Spät, wahrscheinlich jedoch nicht zu spät! Der Kurs der VW-Aktien und auch die (Überlebens-) Prognosen für das Unternehmen verbessern sich langsam. Andere entscheiden sich, proaktiv in Bewegung zu gehen, eine neue sinnhafte Veränderungsrichtung aufzunehmen.

Aber wie genau sollte eine Organisation dies angehen, sich proaktiv in eine sinnvolle Bewegungsrichtung zu bringen?

Nun, mit einer ganzen Palette von agilen Methoden und Vorgehensweisen wäre dies sehr gut möglich (vgl. Nowotny 2016). Und auch die Führungskräfte müssen sich dann natürlich auf Veränderungen einstellen (vgl. Grannemann & Seele 2016). Agile Moderation (vgl. Stach 2016) kann diese Wandlungsprozesse noch unterstützen. Inzwischen gibt es auch eine Reihe von Selbstcoaching-Tools, welche die Zusammenhänge zwischen Denken, Fühlen und Handeln konstruktiv bearbeitbar machen (vgl. Sander 2016).

Die agile Methodenwelt umfasst agile Werte und Prinzipien, Scrum, Kanban, Design Thinking, Lean-Start-up, Agile Games, Retrospektiven und mehr. An dieser Stelle möchte ich kurz und beispielhaft ein Tool ansprechen, das ich selbst zur Teamentwicklung schon mehrfach eingesetzt habe. Das agile Spiel „Papierflieger bauen“ (vgl. Nowotny 2016: 206 f.) verlangt von einer Personengruppe aus einfachen DIN-A4-Blättern in einer bestimmten Zeit Flieger aus Papier zu bauen und diese dann auch über eine Mindestdistanz fliegen zu lassen. Die Herausforderung: Das Spiel wird nicht nur einmal gespielt, sondern immer wieder. Das Zusammenspiel der Gruppe als auch das Ergebnis wird stetig besser, denn die Gruppe bleibt in Bewegung und lernt!  

Change-Tools für Führungskräfte umfassen idealerweise eine Sensibilisierung des Teams mit Kurzszenarien, einen Veränderungs-TÜV zur Akzeptanz-Abschätzung, eine Aufgabeninventur inklusive „EuV“, einer Entscheidungs- und Verantwortungsrechnung, eine Prozess-Funktions-Landkarte sowie eine Veränderungsuhr (vgl. Grannemann & Seele, 2016).

Innovative Moderationsmethoden sind zum Beispiel das Lean-Coffee, ein agendafreies Meeting-Format, das sich mit den drei Kategorien „to discuss“, „discussing“ und „discussed“ einer einfachen Kanban-Logik bedient. Die Zeit für die Diskussion ist limitiert, über eine Verlängerung entscheiden die Teilnehmenden mit „Daumen rauf“ (Stach 2016: 190 f.).

Interessante Selbstcoaching-Ansätze ergeben sich aus den fünf Elementen einer erfolgreichen Veränderung: Visionen/Ziele, Werte/Haltungen, Kohärenzgefühl, Rapport sowie dem Systemdenken (Sander 2016: 145). Wenn man echte und schlechte Ziele unterscheidet, wie Sander dies tut, dann wird klar, was von Führungskräften alles zu leisten ist: Somatische Marker und sinnesspezifische Aufladung von Zielen sind hier wertvolle Stichworte!

Was müssen Organisationen tun, um auch in Zukunft wandlungsfähig zu bleiben? Bei Perkams & Sörensen (2016) finden sich wichtige Hinweise in Bezug auf die Art der Wissensweitergabe: Nur, wenn informelles Wissen auch tatsächlich in ausreichender Form zirkuliert, kann eine Organisation sich auch wirklich verbessern! Flurfunk als Verstärker und unterstützendes Element einer positiven Veränderungsdynamik!

„Jeder möchte die Welt verbessern und könnte es auch - wenn er nur bei sich selber anfangen würde“ – sagte schon der 1897 im österreichischen Bad Gastein geborene Schriftsteller Karl Heinrich Waggerl. Nur zu wahr! Wann ist Ihre Organisation bereit, sich intensiv zu bewegen, die Herausforderungen anzunehmen und sich so in der Folge nachhaltig zu verbessern?

Eines ist gewiss beim Aufbruch in die agile Welt: es wird definitiv magische Glücksmomente geben, und zwar insbesondere bei denen, die sich tatsächlich bewegen und so wahrhafte und oft auch auch ungeahnte Verbesserungen möglich machen!

 

Seminarempfehlung & Buchtipp

Semiarempfehlung: "Workshop Agiles Arbeiten" mit Alexander Schaaf & Valentin Nowotny. Der zweitägige Power-Workshop "Agile Practitioner BIG FIVE: Scrum, Kanban, Daily Standup, Retrospektiven und Design Thinking." Neue Formen des Arbeitens und Lernens können riesig Spaß machen. Hier geht's zur Buchung!

 

Buchtipp: "Agile Unternehmen: Fokussiert, schnell, flexibel. Nur was sich bewegt, kann sich verbessern" von Valentin Nowotny ist der aktuelle Business-Bestseller aus dem BusinessVillage Verlag zum Thema Agiles Management und agile Methodenwelten. Mit einem psychologischen Blick auf die Wirkmechanismen werden alle relevanten agilen Konzepte auf 396 Seiten umfassend dargestellt und erlauben eine schnelle und unterhaltsame Orientierung. Neugierig? Jetzt hier bestellen!

 

 

 

Rezension zum Buch "Agiler führen" von Svenja Hofert

Eine spannende Lektüre für alle, die nach Ideen suchen, wie die Zusammenarbeit in Teams agiler gestaltet und optimiert werden kann

Svenja Hofert hat mit „Agiler führen“ ein bemerkenswertes Buch vorgelegt. Mit diesem Buch erhebt Svenja Hofert nicht etwa einen alleinigen Geltungsanspruch, was „Agil führen“ nun schlussendlich ist oder nicht ist. Völlig zurecht wie ich finde, denn diese Diskussion ist noch voll am Laufen! Die Autorin entwirft anstelle dessen die Ideen, dass der Grad an Agilität immer wieder neu auszubalancieren ist: Alle, die in Organisationen Verantwortung tragen, sind aufgerufen, sich das auszusuchen, was für sie und das jeweilige Team am besten passt und was geeignet ist, die Zusammenarbeit zu optimieren und agiler werden zu lassen. Das macht den Ansatz gleichermaßen pragmatisch wie sympathisch!

Das Buch räumt auf mit weit verbreiteten Mythen rund um das Thema des „agilen Führens“: Oft ist es eben keine Revolution, sondern eine Evolution, die behutsam und Schritt für Schritt kundig gegangen werden will. Svenja Hofert fokussiert in ihrem Buch stets auf Punkte, die sich ganz real verbessern lassen und gibt dem Lesen die hierfür geeigneten Instrumente an die Hand. Kapitel 1 gibt eine gute Einführung in das agile Denken. Kapitel 2 zeigt sehr präzise auf, was sich alles inzwischen in der Arbeitswelt verändert hat und das 3. Kapitel, das sich sehr umfassend mit allen bislang verfügbaren relevanten Führungskonzepten beschäftigt wirf schließlich einen agilen Blick auf Führung. Hier wird insbesondere das von klassischen Führungskonzepten abweichende Rollenverständnis aufgegriffen und diskutiert. Im Zentrum des Buches stet eine sehr interessante empirische Studie zum Teamklima, in der agile und nicht-agile Gruppen systematisch verglichen werden (Kapitel 4). Dan folgen Ausführungen wie agile Ansätze in der Praxis umzusetzen sind und wie auch insbesondere der damit notwendigerweise verbundene Kulturwandel angegangen werden kann (Kapitel 5). In Kapitel 6 folgt abschließen eine umfangreiche Tool-Box, in der sowohl bekannte sowie auch neue und eher unbekannter Modelle und Vorgehensweisen vorgestellt werden.

Svenja Hofert kommt mit diesem lesenswerten Buch nicht nur der Verdienst zu, den Status Quo bisheriger Führungskonzepte aufgearbeitet zu haben sowie agile und nicht-agile Team-Klimata systematisch vergleichen zu haben. Darüber hinaus hat Svenja Hofert mit „Agiler führen“ auch sehr viele gute Ideen ins Rennen geworfen, wie sich agiles Führen in der Praxis tatsächlich ausgestalten lässt. Ich wünsche dem Buch viele interessierte Leserinnen und Leser, vor allem auch aufgeschlossene Führungskräfte, welche die ein oder andere lohnenswerte Idee oder im Buch beschriebene Methode auch tatsächlich in ihren Alltag übertragen, denn wie sagte Erich Kästner so schön: „Es gibt nichts Gutes außer man tut es!“.

 

Quelle:

Agiler Führen: Einfache Maßnahmen für bessere Teamarbeit, mehr Leistung und höhere Kreativität." von Svejna Hofert, erschienen bei SpringerGabler (2016).

Nur was sich bewegt, kann sich verbessern

Der Satz „Nur was sich bewegt, kann sich verbessern“ kommt scheinbar harmlos daher. Es ist der Untertitel meines neuen Buches „Agile Unternehmen: fokussiert, schnell, flexibel“. Viele lesen diesen Satz als: „Nur was sich bewegt, kann sich verändern“. Das ist bekannt und geläufig Und es scheint einleuchtend, ist es jedoch nicht. Es ist sogar falsch! Ein Apfel, der von innen heraus verfault bewegt sich nicht, dennoch verändert er sich!

Ich sage also: „Nur was sich bewegt, kann sich verbessern“. Ist das nun richtig oder vielleicht ebenso falsch? Schauen wir doch einmal etwas genauer hin: Ein Weitspringer spring jedes Mal ein bisschen weiter, weil er sich immer wieder neu bewegt, also übt und neues ausprobiert. Ein Vogel fliegt jedes Mal ein bisschen höher, weil er sich im Flug perfektioniert. Eine Schwimmerin schwimmt jedes Mal ein bisschen schneller, da sie an ihrer Performance arbeitet. Ein Iron-Man ist vor jedem erneuten Lauf vermutlich ein bisschen fitter, ein bisschen besser trainiert als das letzte Mal, muss er auch, sonst würde er vermutlich nicht antreten, die Konkurrenz schläft nicht!

Und schauen wir auf die Erde, diese dreht sich täglich. Nur so kann der Rhythmus von Tag und Nacht, die Gezeiten, das Wetter und andere Mechanismen wie der Schlaf- und Wachzustand von Menschen und Tieren überhaupt in Gang gehalten werden. Und würde die Erde aufhören sich zu drehen, dann würde sie vermutlich runterfallen. Oder etwa nicht? ;-) Humor ist auch so etwas: immer wieder neu und irgendwie überraschend muss es schon sein, sonst entlockt es uns nur ein müdes (unbewegliches) Lächeln! Die Musik im Radio, immer wieder neu gemixt, bewegliche Kombinationen aus einem riesigen Set an Möglichkeiten!

Und schauen wir in die Wissenschaften. In der Physik werden immer wieder neu Elektronen bewegt, zum Beispiel am Deutschen Elektronen Synchrotron (DESY) tief unter der Erde in Hamburg, um das, was die Materie zusammenhält, zu verstehen. Die Jahreszeiten, seit immer schon verbunden mit Bewegung und Veränderung, das auf und ab der Welle. Der Wald, die Flora und Fauna sind ebenfalls ständig in Bewegung. Das Öko-System reagiert auch menschliche Eingriffe oft erstaunlich schnell! Schon nach wenigen Jahrzehnten sind sogar ehemalige verfallen Bauwerke nicht mehr zu erkennen.

„Leben“ so ist bei Wikipedia zu lesen „ist der Zustand, den Lebewesen gemeinsam haben und der sie von toter Materie unterscheidet“. Damit beschreibt die Biologie das Leben qua Definition etwas Bewegtes! Auch der Prozess der Evolution führt durch eine immer wieder neue Zusammenstellung der DNA zu neuen Kombinationen, manchmal durch Einwirkung von außen oder durch Zufall auch zu Mutationen, und damit in jedem Fall zu Veränderungen, manchmal auch zu Verbesserungen.

Würde sich hier nichts ändern, blieben Pflanzen, Tiere und auch Menschen immer gleich, so lange, bis sie nicht mehr mit einer sich verändernden Umwelt umgehen können und dann aussterben. Unbeweglichkeit führt also zu einer deutlichen Verschlechterung der Situation. Stillstand ist Rückstand heißt es ja auch nicht zu unrecht.

Und schauen wir auf den Grund, auf die Tektonik unsere Seele. Die Tiefenpsychologie legt nahe, dass die Krise, die wir durchlaufen müssen, vielleicht auch deswegen da ist, damit wir lernen. In der Welt der persönlichen Beziehungen ist es ähnlich: Ist es bei Ihnen nicht so, dass Freunde kommen und Freunde gehen, nur manche jedoch bleiben bestehen, aber auch diese verändern sich durch Bewegung, vielleicht von einem Ort zum nächsten, von einem Partner zum nächsten. Verbessern sie sich dadurch? Wir hoffen es für sie! Every Movement is a Challenge!

„A movement must be public, because followers emulate followers not the leader“ sagt Derek Sievers in seinem berühmten auf Yotube knapp vier Millionen Mal abgerufenem Video „First Follower: Leadership Lessons from Dancing Guy“ (vgl. Sievers, 2010).

Auch die Städte sind in Bewegung, neu angesagt und richtig hip ist in New York das ehemals gefährliche „Harlem“, ähnlich „Neukölln“ in Berlin: das früher als wenig attraktiv geltende Neukölln ist plötzlich richtig en vogue, die anderen Stadtteile müssen sich umsehen, sich bewegen, sich verbessern! Ich habe noch das Lied von den Dire Straits im Ohr, dass von der Entwicklung einer ganzen Region erzählt: „Telegraph Road“. Die Siedler kommen, auch die Industrie, die Autobahnen und mit ihr der Stau. Wenn sich zu viele Bewegen wird’s eng!

Auch die Mode, ihre Farben und Formen kommen, inzwischen mehrmals im Jahr. Top Handys wie die von Nokia werden einfach abgelöst. Apple hat die Tastaturen mit dem iPhone einfach abgeräumt, und die Finnen haben zur Kenntnis genommen, dass Handys auch ohne Tastatur funktionieren. Unbewegt, ohne eine Alternative, kraftlos, ohne eine neue eigene wirksame Bewegung.

 „Nur was sich bewegt, kann sich verbessern“. Sind es nicht immer Bewegungen und Wellen die uns wachhalten? Neuerdings Gravitationswellen. Auch jede sprichwörtliche „Sau, die durchs Dorf getrieben wird“ verspricht zumindest neue Bewegung. Und Menschen, die mit ihrem Personal Trainer an Ihrer Gesundheit arbeiten lassen auch nichts unversucht: Das Fitnessband, die Laufstecke, der Trainingsplan, alles wird an die aktuelle Trainingssituation angepasst!

Konkret gemacht…

Und was bedeutet ganz konkret für Organisationen, für die Unternehmen in diesem Land? Klar, die müssen ebenfalls in Bewegung bleiben: Manche tun das gezwungenermaßen wie VW. Nach dem Skandal wurde erstmals öffentlich über autoritäre Managementstrukturen gesprochen. Spät, wahrscheinlich jedoch nicht zu spät! VW Aktien und auch die (Überlebens-) Prognosen für das Unternehmen verbessern sich langsam. Andere entscheiden sich, proaktiv in Bewegung zu gehen, eine neue sinnhafte Veränderungsrichtung aufzunehmen.

Aber wie genau sollte eine Organisation dies angehen, sich proaktiv in eine sinnvolle Bewegungsrichtung zu bringen?

Nun, mit einer ganzen Palette von agilen Methoden und Vorgehensweisen wäre dies sehr gut möglich (vgl. Nowotny, 2016). Und auch die Führungskräfte müssen sich dann natürlich auf Veränderungen einstellen (vgl. Grannemann & Seele, 2016). Agile Moderation (vgl. Stach, 2016) kann diese Wandlungsprozesse noch unterstützen. Inzwischen gibt es auch eine Reihe von Selbstcoaching-Tools, welche die Zusammenhänge zwischen Denken, Fühlen und Handeln konstruktiv bearbeitbar machen (vgl. Sander, 2016).

Die agile Methodenwelt umfasst agile Werte und Prinzipien, Scrum, Kanban, Design Thinking, Lean-Startup, Agile Games, Retrospektiven und mehr. An dieser Stelle möchte ich kurz und beispielhaft ein Tool ansprechen, dass ich selbst zu Teamentwicklung schon mehrfach eingesetzt habe. Das agile Spiel „Papierflieger bauen“ (vgl. Nowotny, 2016, S. 206 f.) verlangt von einer Personengruppe aus einfachen DIN-A4-Blättern in einer bestimmten Zeit Flieger aus Papier zu bauen und diese dann auch über eine Mindestdistanz fliegen zu lassen. Die Herausforderung: Das Spiel wird nicht nur einmal gespielt, sondern immer wieder. Das Zusammenspiel der Gruppe als auch das „Ergebnis“ wird stetig besser, denn die Gruppe bleibt in Bewegung und lernt!   

Change-Tools für Führungskräfte umfassen idealerweise eine Sensibilisierung des Teams mit Kurzszenarien, einen Veränderungs-TÜV zur Akzeptanz-Abschätzung, eine Aufgabeninventur inkl. „EuV“, einer Entscheidungs- und Verantwortungsrechnung, eine Prozess-Funktions-Landkarte sowie eine Veränderungsuhr (vgl. Grannemann & Seele, 2016).

Innovative Moderationsmethoden sind z.B. das Lean-Coffee, ein agendafreies Meeting-Format, das sich mit den drei Kategorien „to discuss“, „discussing“ und „discussed“ einer einfachen Kanban-Logik bedient. Die Zeit für die Diskussion ist limitiert, über eine Verlängerung entscheiden die Teilnehmenden mit „Daumen rauf“ (Stach, 2016, 190 f.).

Interessante Selbstcoaching-Ansätze ergeben sich aus den fünf Elementen einer erfolgreichen Veränderung: Visionen/Ziele, Werte/Haltungen, Kohärenzgefühl, Rapport sowie dem Systemdenken (Sander, 2016, S. 145). Wenn man echte und schlechte Ziele unterscheidet, wie Sander dies tut, dann wird klar, was von Führungskräften alles zu leisten ist: Somatische Marker und sinnesspezifische Aufladung von Zielen sind hier wertvolle Stichworte!

Was müssen Organisationen tun, um auch in Zukunft wandlungsfähig zu bleiben? Bei Perkams & Sörensen (2016) finden sich wichtige Hinweise in Bezug auf die Art der Wissensweitergabe: Nur, wenn informelles Wissen auch tatsächlich in ausreichender Form „zirkuliert“, kann eine Organisation sich auch wirklich verbessern! Flurfunk als Verstärker und unterstützendes Element einer positiven Veränderungsdynamik!

„Jeder möchte die Welt verbessern und könnte es auch - wenn er nur bei sich selber anfangen würde“ – sagte schon der 1897 im österreichischen Bad Gastein geborene Schriftsteller Karl Heinrich Waggerl. Nur zu wahr! Wann ist Ihre Organisation bereit, sich intensiv zu bewegen, die Herausforderungen anzunehmen und sich so in der Folge nachhaltig zu verbessern?

 

Quellen

Grannemann, Ulrich & Seele, Hagen (2016): Führungsaufgabe Change: Eine Roadmap für Führungskräfte in Veränderungsprozessen. SpringerGabler. ISBN: 978-3-658-09859-9.

Nowotny, Valentin (2016): Agile Unternehmen: Fokussiert, schnell, flexibel. Nur was sich bewegt, kann sich verbessern. BusinessVillage. ISBN:  978-3-86980-330-3.

Perkams, Katja & Sörensen, Torsten (2015): Wissensmanagement und Organisationale Resilienz: Wissen ist Kraft. Verlag Dr. Kovac. ISBN: 978-383008-688-1

Sander. Constantin (2016. 4. Aufl.): CHANGE! Bewegung im Kopf. Mit neunen Erkenntnissen aus Biologie und Neurowissenschaften. BusinessVillage. ISBN: 978-3-86980-013-4.

Sievers, Derek (2010): First Follower: Leadership Lessons from Dancing Guy. Youtube-Video vom 11.02.2010. URL: https://www.youtube.com/watch?v=fW8amMCVAJQ

Stach, Michaela (2016): Agil Moderieren: Konkrete Ergebnisse statt endloser Diskussion. BusinessVillage. ISBN: 978-3-86980-332-6.

  

 

 

Agile Methoden: Welche Unternehmenskulturen eignen sich für die neuen agilen Methodenwelten?

Welche Unternehmenskulturen eigenen sich eigentlich, um erfolgreich mit agilen Ansätzen und Methoden arbeiten zu können? Wenn Sie diese Frage wirklich beantworten wollen, dann ist es hilfreich, hierfür das Kulturmodell des Belgiers Frederic Laloux näher zu betrachten. In dem Buch Reinventing Organizations“ (2015) beschreibt Laloux fünf unterschiedliche evolutionär entstandene Unternehmenskulturen mit ihren Eigenschaften, Besonderheiten und in ihrer Verbreitung. Nur in manchen dieser Kulturen funktionieren agile Methoden wirklich.

 

Das Kulturmodell von Frederic Laloux

Frederic Laloux unterscheidet fünf fundamental sehr unterschiedlich arbeitende Kulturen, konkret sind das : 1. die tribale "rote" Kultur, 2. die traditionelle "braune" Kultur, 3. die moderne "orange" Kultur, 4. die postmoderne "grüne" Kultur sowie 5. die integrale "petrolfarbene" Kultur:

1. Tribal: „Rote“ Unternehmenskulturen -> Das Wolfsrudel ist hierfür die beste Metapher, eine Organisationsform die heute z.B. noch bei der Mafia gebräuchlich ist -> Mit Angst setzt der machtvolle Führer seine Vorstellungen durch.

2. Traditionell: „Braune“ Unternehmenskulturen -> Hier wurde das Organigramm erfunden -> Hierarchie und die Befehlskette ist die Garantie für Effizienz.

3. Modern: „Orange“ Unternehmenskulturen -> Ständige Optimierung ist das Grundprinzip -> Ingenieursvokabeln dominieren -> Budgets und Zielvorgaben sowie „Vernunft“ sind Schlüsselkonzepte.

4. Postmodern: „Grüne“ Unternehmenskulturen -> Weiche Aspekte sind kulturell wichtig: "Culture over Strategy“ sowie Coaching und Empowerment -> Hier geht es um Selbstorganisation und gutes Zuhören.

5. Integral: „Petrolfarbene“ Unternehmenskulturen -> Ganzheitlichkeit und Selbstmanagement steht im Vordergrund > Es gibt einen gemeinsam weiterentwickelten „Zweck“ bzw. „Sinn“ des Unternehmens.

Hierzu auch ein gelungenes rund zehnminütiges „Erklär-Video“ Video von Peter Green https://vimeo.com/121517508

Nach der Unterteilung von Frederic Laloux machen "Agile" und "Lean" vor allem für grüne und petrol-farbene Organisationen Sinn. Aber auch in orangen Organisationen lassen sich unter bestimmten Voraussetzungen zu grünen Organisationen weiterentwickeln. Erst dann entfalten agile Methodenwelten wie Scrum, Kanban, Design Thinking und Lean-Startup ihre wirkliche Kraft. 

Viele Menschen fühlen, dass traditionelle Vorgehensweisen „nicht mehr passend“ sind. Es braucht mehr Unternehmen die sich trauen, den Mitarbeiter/innen zu ermöglichen, ihr „ganzes Ich“ zu finden und zu entfalten. Frederic Laloux zitiert einen Mitarbeiter in einem solchen Unternehmen: „Manchmal wünsche ich mit, dass es zu Hause ein bisschen mehr ist wie auf der Arbeit!“. Agile Teams und agile Unternehmen und damit mehr Fokus, mehr Schnelligkeit und mehr Flexibilität, das gestehen sich auch in der D-A-CH Region jetzt immer mehr Top-Manager ein, das ist es, was Unternehmen auch hierzulande faktisch brauchen.

 

Buchempfehlung & Seminartipp

Mehr unter anderem auch zum Thema Unternehmenskultur finden Sie in dem neuen Buch "Agile Unternehmen: Fokussiert, schnell, flexibel. Nur was sich bewegt, kann sich verbessern" von Valentin Nowotny. Dieses Buch ist der aktuelle Business-Bestseller aus dem BusinessVillage Verlag zum Thema Agiles Management und agile Methodenwelten. Mit einem psychologischen Blick auf die Wirkmechanismen werden alle relevanten agilen Konzepte auf 396 Seiten umfassend dargestellt und erlauben eine schnelle und unterhaltsame Orientierung. Neugierig? Jetzt hier bestellen!

Semiarempfehlung: "Workshop Agiles Arbeiten" mit Alexander Schaaf & Valentin Nowotny. Der zweitägige Power-Workshop "Agile Practitioner BIG FIVE: Scrum, Kanban, Daily Standup, Retrospektiven und Design Thinking." Neue Formen des Arbeitens und Lernens können riesig Spaß machen. Hier geht's hier zur Buchung!

Die Anforderungen steigen – Jedes Seminar eine neue Feedbackschleife!

Erfolgreiche Trainings: Auf was kommt es wirklich an?

Die Anforderung an die Qualität von Weiterbildung und Personalentwicklung steigt kontinuierlich. Ebenso steigt der Professionalisierungsgrad aufseiten der Anbieter von Train-the-Trainer-Programmen. Umso wichtiger ist es, zufriedene Teilnehmer und Kunden für sich zu gewinnen, um sich auf dem Markt durchsetzen zu können. Um Trainings und Coachings erfolgreich gestalten zu können, ist es wichtig in Erfahrung zu bringen, was genau ein gutes Training aus Teilnehmersicht ist. 

Wir hatten hierzu eine eigene Umfrage mit 84 Teilnehmern durchgeführt, die zur Erhebung der Interessen potenzieller Teilnehmer an einer Train-the-Trainer-Ausbildung diente. Die Ergebnisse der Umfrage sollen im Folgenden vorgestellt werden. Für rund ein Fünftel der Teilnehmer ist eine starke Praxisorientierung des Ausbildungskonzepts das wichtigste Merkmal, das eine Ausbildung erfüllen muss. Eine starke Praxisorientierung lässt sich dadurch erreichen, dass die eigenen Trainings im Ausbildungsprogramm ausgearbeitet, durchgeführt, erprobt und evaluiert werden. Dies trägt dazu bei, das Erlernte später auch in den Traineralltag integrieren und anwenden zu können.

Zudem ist die Unterstützung beim Erstellen von Trainingskonzepten und bei der Planung von Trainings bzw. Seminaren ein wichtiger Punkt für die Teilnehmer. Die Umsetzung der gelernten Methoden und der Seminargestaltung muss nicht nur in der Theorie, sondern vor allem später in der Anwendung reibungslos funktionieren. Ein engagiertes und kooperierendes Handeln seitens des Trainers befähigt die Teilnehmer zur selbstständigen und kreativen Gestaltung künftiger Seminare. Auch hier ist wieder die Wichtigkeit eines guten Praxisbezugs bei den Teilnehmern erkennbar.

Ein weiterer, nicht zu vernachlässigender Punkt ist die Auseinandersetzung mit sich selbst und den eigenen Fähigkeiten. Hierzu zählen unter anderem die Selbst- und Fremdwahrnehmung. Zu wissen, wie man auf andere wirkt, kann von entscheidender Bedeutung für den Erfolg im Beruf sein. Menschen, die versuchen, einem Wunschbild ihrer Person zu entsprechen, können auf andere eine irritierende Wirkung haben. Eine gewisse Inkongruenz im Verhalten führt dazu, dass die Person von anderen ganz anders erlebt wird, als sie es sich wünscht oder erwartet hätte. Verdeutlicht werden kann dies am Beispiel des Johari-Fensters, einem Modell zur Veranschaulichung bewusster und unbewusster Persönlichkeits- und Verhaltensmerkmale.

Besondere Aufmerksamkeit erhält dabei der sogenannte „blinde Fleck“. Er beinhaltet jene Merkmale, die von der betroffenen Person ausgesendet und von den Empfängern auch wahrgenommen werden, über die sich die Person selbst aber nicht bewusst ist. Übungen zur Selbst- und Fremdwahrnehmung eignen sich dafür, Unbewusstes bewusst und damit handhabbar zu machen.Auch die Beschäftigung mit der eigenen Rolle als Trainer und die Stärkung des Glaubens an die eigene Kompetenz sind zentral. 

Theoretische Abschnitte in einem Seminar sorgen für fundierte Kenntnisse über die Möglichkeiten, die den Teilnehmern bei der Gestaltung eigener Seminare zur Verfügung stehen und gewährleisten einen Ausbau der fachlichen Kompetenz. Das Erlernen und Üben unterschiedlicher Methoden gibt Sicherheit und stärkt die Methodenkompetenz. Darüber hinaus haben gruppendynamische Prozesse, wie sie bei Diskussionen oder Gruppenübungen entstehen, eine positive Auswirkung auf die soziale Kompetenz

Die Förderung dieser drei Kompetenzbereiche führt letztendlich zu einer Aufwertung der Handlungskompetenz, was wiederum eine Steigerung der Selbstwirksamkeit mit sich bringt.

Die Möglichkeit, sich selbst auszuprobieren, das Experimentieren mit den eigenen Konzepten und Methoden und ein flexibles Eingehen auf die Bedürfnisse der Teilnehmer runden ein gelungenes Seminar bzw. Training ab. Getreu dem Motto „Übung macht den Meister“ sollte den Teilnehmern ausreichend Zeit zum Probieren, Stolpern und erneuten Probieren eingeräumt werden. Ebenso wichtig ist eine gute Feedback-Kultur. Dadurch können die Teilnehmer darauf aufmerksam werden, wie ihr Verhalten auf andere wirkt, wie sie sich zukünftig verbessern können und, nicht zu vernachlässigen, welche positiven Eigenschaften zum Tragen gekommen sind. 

Fazit: Die Auswertung der Umfrage spiegelt eindeutig wider, dass besonders das Inhaltliche und Zwischenmenschliche von Bedeutung sind. Äußere Faktoren wie Seminarraum, Geschlechterverteilung der Trainer oder eine homogene bzw. heterogene Gruppenzusammensetzung, spielen bei der Auswahl des Trainings eine zu vernachlässigende Rolle. Ein Training bzw. ein Seminar zu gestalten, mit dem die Teilnehmer zufrieden sind, hängt also davon ab, wie praxisorientiert und unterstützend das Training für die Teilnehmenden  ist, sowie wie viel Möglichkeit zur Selbstreflexion gegeben wird. Letztlich befindet sich auch jeder Trainer, jede Trainerin bei entsprechender Reflexion in einem agilen Lernprozess, der mit jedem durchgeführten Seminar und dem erhaltenen Teilnehmer-Feedback eine weitere Schleife zeiht. 

Mehr zu diesem Thema finden Sie in dem Buch "Erfolgreich Seminare und Trainings gestalten", dass Sie mit dem folgenden Link direkt über unseren NowConcept-Bookshop bestellten können: http://bookstore.nowconcept.de

Agile Meetings - Neue Erfahrungen mit Instant Open Space

Agile Methoden und Ansätze sind in aller Munde. Viele Initiativen und Buchprojekte (u.a. mein eigenes Buchprojekt: "Agile Unternehmen: nur was sich bewegt, kann sich verändern", welches im März 2016 bei BusinessVillage erscheint) beschäftigen sich mit dieser Thematik.

Mit dem Ansatz "Instant Open Space" von Alexander Schilling können Sie jetzt selbst neue agile Erfahrungen im Team machen (auch wenn Sie sonst so nicht arbeiten!).

Das besondere an dieser Methode ist, dass einzelne Themen nicht vorgegeben sind, sondern im Prozess entstehen und dann je nach "Interesse" verfolgt werden können. 

Wie Instant Open Space genau funktioniert, erfahren Sie in dem folgenden Text, den unserem Buch "Erfolgreich Trainings und Seminare gestalten" entnommen haben, welches Sie hier bestellen können. Wir freuen uns über Ihre Erfahrung mit dieser Methode und freuen uns über Ihren Kommentar bzw. Ihren Erfahrungsbericht.

Viel Spaß beim Ausprobieren!
Ihr Valentin Nowotny


 

Instant Open Space nach Alexander Schilling

 

Eckdaten

Ziel: Bei dieser Methode werden die Teilnehmer zur eigenen Themensetzung angeregt, diskutieren frei über das, was von Interesse ist, entwickeln Ideen und planen Projekte.

Gruppengröße: 6 bis 50 Teilnehmer
Dauer: 2 bis 3 Stunden
Material: große selbstklebende Metaplankarten

Ablauf

Diese Methode basiert auf der Open Space Technology, einem Change-Instrument für Konferenzen ab 50 Teilnehmern. Die Grundidee dieser Methode ist, dass die wirklich wichtigen Gespräche einer Konferenz immer in den Kaffeepausen stattfinden. Bei den Open Space Konferenzen gibt es daher keine feste Agenda, sondern nur ein Oberthema und viel Gestaltungsraum, den die Teilnehmer mit Leben füllen sollen. Die Teilnahme ist freiwillig und es passiert rein gar nichts, außer die Teilnehmer nehmen es selbst in die Hand. Jeder hat die Möglichkeit, selbst Themen zu setzen, die in eine gemeinsame Matrix eingetragen werden. Zu jedem gesetzten Thema findet eine Session statt. Die maximale Länge der Sessions wird vorher festgelegt und wird in der Matrix festgehalten. Nach den Sessions kommen alle wieder gemeinsam zusammen und tauschen die Ergebnisse aus.

Das Instant Open Space ist eine komprimierte Variante, die sich hervorragend für Seminare eignet und dabei den gleichen Prinzipien folgt. Da die Teilnehmer die Themen bestimmen, ist jeder Instant Open Space anders. Die Grundstruktur bleibt dabei aber immer gleich.

  • Es sollte auch beim Instant Open Space ein übergeordnetes Thema oder eine Fragestellung geben, die komplex genug ist, um Unterthemen zu ermöglichen und mehrere Stunde darüber zu sprechen. Gleichzeitig darf das Thema nur so groß sein, dass in 2-3 Stunden Zeit auch Ideen, Strategien und Konzepte zum Thema entwickelt werden können.
  • Die Teilnehmer sitzen in einem Stuhlkreis in der Mitte des Raumes. Legen Sie weitere Orte im Raum für Sessions fest. Diese sind beispielsweise durch Buchstaben markiert. Bei 6 Teilnehmern bieten sich 3 Session-Orte, ab 12 Teilnehmer bereits 4 Session-Orte an. Das Thema des Instant Open Space sollte sichtbar visualisiert werden. Außerdem befindet sich an der Wand eine offene Matrix, bei der horizontal die Sessionorte stehen und vertikal die Anzahl der Session-Runden. Es sind entweder zwei lange Sessionrunden von 60 bis 75 Minuten oder drei kurze von 30 bis 45 Minuten zu empfehlen. Die Matrix können Sie mit Hilfe von großen selbstklebenden Metaplankarten an die Wand
  • Wenn die Teilnehmer anwesend sind, beginnen Sie mit einer Vorstellungsrunde. Nutzen Sie auch hier einen Talking-Stick, um Ruhe in die Runde zu bringen. Anschließend wird das Thema benannt und mögliche Einschränkungen erläutert (wenn es sich beispielsweise um die Planung eines Projekts handelt, kann es monetäre Grenzen geben). Wenn die Regeln und der Ablauf bekannt sind, kann es losgehen. Der Instant Open Space beginnt damit, dass die Teilnehmer Sessions posten können. Alle bekommen große selbstklebende Metaplankarten in die Hand und können darauf Themen oder Fragestellungen zum Oberthema schreiben, die sie interessieren und gerne bearbeiten möchten (Ein Thema pro Karte). Wer eine Session postet, ist für die Dokumentation der Inhalte in dieser Session verantwortlich. Es wird nicht erwartet, dass er die Session leitet oder sich mit dem Thema besonders gut auskennt. Die Teilnehmer haben fünf Minuten Zeit Sessions zu posten. Nach einander stellen die Teilnehmer ihre Themen vor, nennen dabei deutlich ihren Namen und überlegen sich, an welchem Sessionort und in welcher Sessionrunde diese stattfinden soll. Sie kleben ihre Karte an die entsprechende Stelle in der Matrix. Wenn keine Sessions mehr benannt werden, aber noch Plätze in der Matrix frei sind, haken Sie noch einmal nach.
  • Nun können Sie den Marktplatz eröffnen. Alle Teilnehmer ordnen sich den Sessions zu, bei denen sie gerne dabei wären und schreiben ihren Namen unter das Thema. Anschließend schaut sich die Gruppe die Matrix gemeinsam an und hat nun die Möglichkeit, Sessions zusammen zu legen, wenn sich die Themen stark überschneiden. Handelt es sich aber um zwei Aspekte eines Themas, so sollten beide ihren eigenen Raum bekommen. Genauso können Sessions wiederum in zwei Unteraspekte geteilt werden, wenn sich beispielsweise alle für diese Session interessieren.
  • Nun gehen die Teilnehmer in die Sessions und arbeiten eigenständig an ihren Themen. Während dessen gibt es 4 goldene Regeln, die Sie zu Beginn des Instant Open Space erläutern sollten.

1. Wer auch kommtes sind immer genau die richtigen Leute!

(c) Copyright Grafik: Alexander Schilling

Wenn also keiner zu einer Session kommt, dann hat das Thema in dieser Runde keinen hohen Stellenwert und das ist genau richtig so. Wer also alleine in seiner Session sitzt, sollte sein Interesse an diesem Thema jedoch ernst nehmen und zumindest einen Teil der Session eigenständig daran arbeiten. Niemand ist verpflichtet, zu der Session zu gehen, zu der er sich angemeldet hat. Die Teilnehmer haben ihre Namen eingetragen, um ungefähr abschätzen zu können, wie viele Teilnehmer in welcher Session zu erwarten sind. Man darf eine Session auch jederzeit verlassen, um vielleicht in eine andere zu gehen. Auf diese Weise wird man zur „Open Space Biene“, die die verschiedenen Sessions verknüpft und befruchtet. Man sollte sich beim Open Space über die Teilnehmer freuen, die da sind, anstatt sich darüber zu ärgern, wer nicht da ist!

2.Was auch immer geschiehtist genau das, was geschehen konnte und ist o.k!

Es gibt keinen Ergebnisdruck oder Plan, nach dem eine Session abläuft. Der Inhalt wird ganz allein durch das Interesse der Teilnehmer gelenkt.

3. Es beginntwenn es beginnt!

Wenn ein oder zwei Teilnehmer am Session-Ort anfangen, dann ist das o.k. Wenn sie aber noch auf die anderen eingetragenen Teilnehmer warten möchten, ist dies auch o.k. Wer nicht gleich zu seiner Session geht, sondern vielleicht lieber noch einmal einen Kaffee trinkt, darf auch das tun.

4.Vorbei ist vorbeiNicht vorbei ist nicht vorbei!

Die maximale Zeitspanne für die Session muss nicht vollständig ausgenutzt werden. Lediglich nach hinten gibt es natürlich ein Zeitlimit. Themen können jedoch in weitere Sessions mit eingebracht werden.

Im Anschluss an die zwei oder drei Session-Runden kommen alle wieder zusammen in den Stuhlkreis. Die Ergebnisse der Sessions sollten im Anschluss an den Open Space beispielsweise per E-Mail oder Fotoprotokoll für alle zugänglich gemacht werden.

Praktische Erfahrungen

Bei dieser Methode bekommen nur jene Themen Raum, die die Teilnehmer brennend interessieren. Auf diese Weise entsteht eine Dynamik und Eigeninitiative, die wir noch mit keiner anderen Methode erreichen konnten. Haben Sie keine Sorge, dass die Teilnehmer die Zeit nutzen um faul zu sein. Ganz im Gegenteil: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Teilnehmer im Instant Open Space ihre produktivsten Momente erleben und Konzepte und Ideen erschaffen, die noch lange über das Seminar hinaus bestehen bleiben.

Variationen

Wenn zwei Gruppen zum selben Thema parallel arbeiten, wie es oft bei firmeninternen Programmen der Fall ist, können Sie diese Gruppen ideal zu einem Instant Open Space zusammenlegen. Möglicherweise wurden in beiden Gruppen unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt. Beim Instant Open Space können die Gruppen ihr Wissen und ihre Ansichten austauschen und sich gegenseitig befruchten.

Einsatzmöglichkeiten

Benutzen Sie diese Methode, wenn es darum geht, dass Ihre Teilnehmer etwas entwickeln, sich ihre ganz persönlichen Gedanken zu dem Thema machen und selbst entscheiden können, was von Interesse ist. Ideal ist das Open Space, wenn es darum geht, Strategien, Konzepte und Zukunftsvisionen für ein Unternehmen oder ein Projekt zu entwickeln. Auch wenn das Seminarthema sehr groß ist und viele Fokussierungen auf Unterthemen möglich wären, ist der Instant Open Space ideal. Da der Inhalt durch die Teilnehmer selbst bestimmt wird, ist jede Teilnehmergruppe geeignet. Klassische Seminarthemen sind: Gesundheitsmanagement, Changemanagement, Workshops zu Projekten oder Konzeptwerkstätten, Burnout, Social Media oder Führung.

Achtung!

Unterschätzen Sie bei dieser Methode nicht die Relevanz einer gemeinsamen Vorstellungs- und Abschlussrunde. Genauso wie bei jedem Seminar Anfang und Ende essentiell sind sind diese bei jeder einzelnen Methode wichtig, um hinein zu kommen und einen Abschluss zu finden. Beim Instant Open Space hat dies eine besondere Relevanz, da die Methode aus vielen sich selbst organisierenden Kleingruppen besteht. Nur wenn dem Anfang und dem Ende Zeit gewidmet wird, kann eine runde Veranstaltung entstehen.

Achten Sie außerdem darauf, dass Sie als gutes Beispiel voran gehen und die Regeln des Instant Open Space einhalten; beispielsweise reden auch Sie nur mit dem Talking-Stick.

Tipps!

Nach den Prinzipien der ursprünglichen Open Space Konferenzen sollten Sie die ganze Zeit über ein kleines Buffet anbieten. Dieses erhöht den „Kaffeepausen-Effekt“, bei dem durch die Ungezwungenheit der Atmosphäre die besten Ideen zustande kommen. Die Teilnehmer können sich während der Sessions bedienen und können sich am Buffet miteinander austauschen.


Alexander Schilling

Hintergründe zum Openspace Moderator Alexander Schilling 
Kontakt zu OpenSpace Moderator Alexander Schilling


Buchbestellung

Nowotny, Valentin & Tantau, Christiane (2012): Erfolgreiche Trainings und Seminare gestalten. Methoden und Strategien für einen nachhaltigen Transfer in die Praxis. Cornelsen, Berlin. 

Nowotny, Valentin (2016): Agile Unternehmen: fokussiert, schnell, flexibel. Nur was sich bewegt, kann sich verändern. BusinessVillage Verlag, Göttingen.

Neue Führungs-Kompetenzen für digitale und agile Transformationsprozesse

Immer wieder fragen Führungskräfte und Verantwortliche für Weiterbildung und Personalentwicklung von Unternehmen, wie eine „neue“ Führungskräfteausbildung aussehen könnte. Der Wunsch nach etwas wirklich Neuem wird spürbar.

Bevor wir aber die Inhalte einer neuen Ausbildung überhaupt besprechen können, sollten wir fragen: Was müssen Führungskräfte in Zukunft können und daher heute lernen? Darauf eine erste schnelle Antwort:

KOMPLEXITÄT ZÄHMEN, MENSCHEN ALS MENSCHEN VERSTEHEN, GANZHEITLICHKEIT TIEF INHALIEREN, DIE NEUE VERBUNDENHEIT ALS EINZIGARTIGE CHANCE FÜR MEHR AGILITÄT BEGREIFEN.

Diese Antwort ist nicht vollständig, aber sie beinhaltet eine wichtige Botschaft. Die Abarbeitung der klassischen Führungsaufgaben des Managements wird in Zukunft für unseren Erfolg nicht mehr ausreichen. In der heutigen Zeit stehen wir vor spannenden digitalen und agilen Transformationen und auch vor jeder Menge Ungewissheit. Manager und Managerinnen müssen ihr bequemes Büro verlassen und nach neuen Wegen suchen, müssen die Witterung aufnehmen, sich z.B. einer HR Safari durch die Berliner Startup-Welt anschließen, um neues zu erkunden. Zudem müssen sie die Widersprüche zwischen Verändern und Bewahren, zwischen Sorge und Pioniergeist, zwischen Steigerung und Ankunft und noch viel mehr ausbalancieren und sie müssen lernen, mit Unsicherheit umzugehen.

Hier nun einige zukünftige Herausforderungen für Führungskräfte. Dabei haben mich die Arbeiten von Prof. Dr. Peter Kruse, (der bedauernswerter Weise von nicht allzu langer Zeit für heutige Verhältnisse leider jung verstorben ist!), inspiriert und angeleitet.

STEIGENDE KOMPLEXITÄT VERÄNDERT DIE ANFORDERUNGEN

Was muss die Führungskraft dazulernen? Das Erkennen von Zusammenhängen, die Mustererkennung zur Reduktion von Komplexität, den Umgang mit verringerter Planbarkeit und mit verschwimmenden Ursache-Wirkung-Beziehungen. Zudem die effiziente Nutzung der kollektiven Intelligenz ("Intelligenz der vielen"); sie gilt heute als Notwendigkeit für gutes Management und gute Führung. Wichtiger werden auch Reflexion und Zugang zur Intuition als Kompetenzen für Entscheidungen in komplexen Umwelten.

VERLAGERUNG DER MACHT VERÄNDERT DAS GRÖSSERE SPIEL

Was ändert sich dabei? In vernetzten Systemen entscheidet der Nachfrager, Märkte sind Dialoge geworden, emotionale Resonanz ist ein neuer Erfolgsfaktor. Es gilt der bekannte Satz: „Willkommen in der Mitmachgesellschaft.“ Jede Führungskraft ist als Teilnehmer oder Teilnehmerin im Netzwerk und als Impulsgeber oder -geberin eingeladen, am neuen Spiel teilzunehmen. Autonomie und Eigendynamik werden wichtiger als Hierarchie. Mit der zunehmenden Kooperation wird Vertrauen ein neuer Erfolgsfaktor.

HÖHERE INSTABILITÄT ERFORDERT MEHR VERÄNDERUNGSBEREITSCHAFT

Was kommt auf Führungskräfte zu? Das Arbeitsverhältnis muss zunehmend als Passage im Lernweg des Lebens verstanden werden. Die Führungskraft wird mehr zum Begleiter oder zur Begleiterin und zum (agilen) Coach, der Begriff "Servant-Leader" und "Hosting-Leader" macht die Runde. Wenn aber in Netzwerken mit einem abnehmenden Zugehörigkeitsgefühl zur Organisation zu rechnen ist, wie muss ich dann agieren, um eine positives Commitment, ein Gefühl und eine Praxis des wirklich gemeinsamen Arbeitens zu etablieren. Und weil instabile Phasen im Wirtschaftsleben intensiver, länger und häufiger werden, wird dann auch „Leading Change“ eine der zentralen Herausforderung in der Führungsarbeit.

MENSCHEN MIT NEUEN BEDÜRFNISSEN WOLLEN ANDERS GEFÜHRT WERDEN

Was heißt das für die konkrete Führungsarbeit? Empowerment, also "Befähigung", ist das neue Zauberwort. Die Attraktivität der Arbeit wird für Menschen wichtiger als Loyalität. Ein Leader soll inspirierend, richtungsweisend und ausrichtend im Team wirken, eine Vision entwickeln und kommunizieren können, Sinn geben, Verantwortung weitergeben, selbst Vorbild sein, das eigene Ego zurücknehmen. Self-Leadership – gesunde Selbstführung – und überschaubare sehr gut funktionierende agile Teams werden die zentralen Herausforderungen, um Erfolg langfristig zu sichern. Soziale Fähigkeiten wie Empathie, der Aufbau gelingender Beziehungen und die (erfolgreiche) Suche nach dem Sinn werden also darüber bestimmen, ob ein Mensch als Führungskraft angenommen wird, ob ein Unternehmen die volle Motivation der Mitarbeitenden nutzen kann und darf.

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Mehr zu diesen und weiteren Themen finden Sie in meinem neuen Buch "Agile Unternehmen: nur was sich bewegt, kann sich verändern", welches Sie hier vorbestellen können: 

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